Kulturpolitik allgemein, Theater

36.000 Unterschriften

Der Ernst der Lage scheint bei vielen Kulturschaffenden mittlerweile erkannt worden zu sein. An der von der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins initiierten Protestkundgebung anlässlich des Welttheatertags in Wuppertal am gestrigen Samstag haben laut Medienberichten bis zu 5000 Menschen teilgenommen.  Gegen die drohende Schließung des Theaters Wuppertal und gegen Kürzungen im Kulturbereich bildeten tausende Unterstützer eine Menschenkette vom Schauspielhaus bis zur Oper. Künstler und Theaterleute von rund 60 deutschen Bühnen waren vertreten. Die Protestierenden konnten am Abend einem Vertreter der Stadt Wuppertal Listen mit 36.000 Protestunterschriften überreichen. Laut Holk Freytag, dem Vorsitzenden der Intendatengruppe, soll dies die bisher größte Solidaritätsveranstaltungen gegen die Kürzungen an Theatern gewesen sein.

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Theater

Proteste, Proteste

So langsam tut sich was in der Kulturszene. Am kommenden Samstag findet der sogenannte Welttheatertag statt. Eine Erfindung des Internationalen Theaterinstituts (ITI). Die deutsche Sektion des ITI hat zu Protesten gegen angekündigte Theaterschließungen aufgerufen. Und wo lässt sich dies derzeit am besten tun? Genau – in Wuppertal. So zumindest hat dies die Intendatengruppe im Deutschen Bühnenverein beschlossen. Sie hat daher zu einer Großkundgebung an besagtem 27. März aufgerufen: „Mit einem kurzen künstlerischen Beitrag sollen die Theater auf die dramatische Situation der Kommunen hinweisen.“ Initiiert werden soll eine Theater-Demo mit Menschenkette, wie es in einer Pressemitteilung der Intendantengruppe weiter heißt. Von mittags bis mitternachts soll neben Wuppertal auch auf die Situation in Oberhausen, Hagen, Moers, Schleswig und Dessau aufmerksam gemacht werden. Dort sei die Lage „äußerst brisant“, heißt es. Am Abend des Welttheatertages soll dann ein Theaterpreis in Wuppertal an Christoph Marthaler und Anna Viebrock vergeben werden.

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Theater

Wuppertal spart sich das Theater

Noch ist in der Kultur- und Theaterszene verhältnismäßig wenig zu hören. Doch die Situation in Wuppertal lässt mittlerweile viele aufhorchen.

Die Stadt  will bis zum Jahr 2014 ganze 216 Millionen Euro einsparen, schreibt die Westdeutsche Zeitung. Allein in den kommenden beiden Jahren sollen über 200 Millionen Euro eingespart werden, heißt es auf dem WAZ-Intenetportal „Der Westen“. Wuppertal steht derzeit mit rund 1,8 Milliarden Euro in der Kreide.

Erschreckende Zahlen.

Die massiven Sparanstrengungen werden mit der Gefahr der Überschuldung, die schon im kommenden Jahr drohen könnte, begründet. Aus dem Mund von Wuppertals Oberbürgermeister Peter Jung klingt dies so: „Wir gehen an die Grenze dessen, was machbar ist.“

Für den Kulturbereich heißt dies laut Westdeutscher Zeitung: Die Eintrittspreise für das Sinfonieorchester werden steigen. Die Zuschüsse sinken um 30 Prozent und das Schauspielhaus muss nach der Spielzeit 2011/2012 seine Pforten komplett schließen. Eine bittere Pille für die Kulturschaffenden der Stadt. Noch ist unklar, ob durch Kooperationen, etwa mit Oberhausen, ein Tourneebetrieb weitergeführt werden kann oder nicht.

Die Schließung des Theaters bringt laut „Der Westen“ rund zwei Millionen Euro – angesicht der Verschuldungssumme der Stadt nicht gerade viel. Doch wie ernst die Finanzlage Wuppertals wirklich ist, lässt sich an der Tatsache ablesen, dass neben dem Schauspielhaus auch mehrere Frei- und Hallenbäder dichtgemacht werden. Wuppertal wird in den kommenden Jahren dramatisch an Attraktivität verlieren, darüber sind sich die Politiker vor Ort einig.

In Kulturkreisen gilt der harte Sparkurs in Wuppertal als Warnsignal. Keine Stadt dieser Größe hat sich bislang getraut gleich ein ganzes Theater zur Disposition zu stellen. Für Wuppertals Kulturdezernent Matthias Nocke, so „Der Westen“,  ist die Debatte um die Kürzungen nur das Vorspiel einer dramatischen Entwicklung, die schon bald viel weitere Kreise ziehen könnte. Die finanzielle Bedrohung der Bühnen sei ein strukturelles Problem, das man auf Landes- und Bundesebene diskutieren müsse, sagt Nocke.

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Kulturpolitik allgemein

Vom Zwang zum Sparen

Der Städte- und Gemeindebund schlägt Alarm. Die Finanzsituation in vielen deutschen Kommunen ist nicht nur schlecht. Sie ist ausgesprochen schlecht und sie wird zusehends schlechter. Zwar ist die Problematik mittlerweile erkannt. Das Bundesfinanzministerium hat eine Kommission eingesetzt, die Vorschläge zur Neuordnung der Gemeindefinanzierung ausarbeiten soll. Bis konkrete Ergebnisse vorliegen und es politische Mehrheiten gibt, diese umzusetzen, dürfte noch einig Zeit vergehen.

Die Sparzwänge werden daher weiter drastisch zunehmen. Nur bei den sogenannten freiwilligen Leistungen ist Spielraum vorhanden. Der Kulturbereich gehört dazu. Daher dürften sich sparwillige Politiker künftig dort verstärkt austoben. Für Kulturschaffende, Fans und Enthusiasten brechen harte Zeiten an.

kulturundpolitik-blog möchte die Situation in den kommenden Monaten begleiten.

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