Kulturpolitik allgemein, Theater

Schlechte Argumentation

Versuche, Kulturkürzungen zu verhindern, wirken argumentativ häufig hilflos. Neuestes Beispiel ist der Bühnenverein. Dessen Geschäftsführer rückt den finanziellen Niedergang der Städte in Zusammenhang mit der Besteuerung von Hotelliers.

Der Geschäftsführer des Bühnenvereins, Rolf Bolwin, sagte anlässlich der Kundgebung zum Welttheatertag in Wuppertal  dem Deutschlandradio, dass sich die Proteste am Welttheatertag auch gegen den „finanziellen Niedergang“ der Städte richten. Ein sehr wichtiger Punkt, denn die Städte sind der wichtigste Akteur, wenn es um die Kultur in Deutschland geht.

Doch Bolwin führt weiter aus, dass von der Berliner Regierungskoalition kürzlich beschlossene Wachstumsbeschleunigungsgesetz zulasten der Kommunen gehe. Das ist nur bedingt richtig. Die größten Einnahmeeinbußen durch die Gesetzesnovellen, die unter anderem die sehr umstrittene Reduzierung der Umsatzsteuer für Übernachtungen in Hotels vorsehen, hat mit Abstand der Bund. Und dieser spielt in der Kulturförderung nun einmal eine weniger bedeutende Rolle. Länder und Kommunen haben dagegen geringere Einbußen. Wesentlich gravierender für fehlende Mittel in der Kulturförderung sind stattdessen einbrechende Gewerbesteuereinnahmen sowie die Sozialgesetzgebung. Diese Argumentation wirkt daher wenig stichhaltig.

In der Krise habe die Bayerische Landesbank vom Freistaat Bayern 3,6 Milliarden Euro erhalten, argumentiert Bolwin weiter. Diese Summe reiche aus, um die gesamte deutsche Theater- und Orchesterlandschaft für zwei Jahre zu finanzieren. Das ist prinzipiell ein schöner Vergleich. Er bleibt aber folgenlos, da hinter der Rettung von Landesbanken ganz andere Logiken stecken, als hinter der Rettung eines Theaters.

Lobbyarbeit für Kultureinrichtungen müsste statt bei diesen Vergleichen stehen zu bleiben  vielmehr die Notwendigkeit der kulturellen Einrichtungen für ein Gemeinwesen herausstellen. An anderer Stelle sagt Bolwin zum Glück auch, die Städte bräuchten nicht nur Lokale und Einkaufszonen, eine Stadt brauche auch Kultur. Das ist genau der Punkt. Nur muss auch gesagt werden, was die Leistung der Kultur für eine Stadt ist, etwa Attraktivität des Standorts verbessern etc. Hier ist leider immer nur sehr wenig zu hören.

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