Bildende Kunst

Defekte Brandschutzklappen oder Sündenfall?

„Das Erdgeschoss und der erste bis dritte Stock der Galerie der Gegenwart sind zurzeit nicht geöffnet“, heißt es derzeit auf der Startseite der Hamburger Kunsthalle. Seit gestern sind im 1997 als Erweiterungsbau der Kunsthalle eröffneten Galerie der Gegenwart bis Herbst dieses Jahres alle Pforten dicht. Keine Besuche mehr möglich. Defekte Brandschutzklappen müssten ausgetauscht werden, heißt es dazu nur von Seiten der Hamburger Kulturbehörde laut FAZ und art-Magazin.

Jetzt ist es aber so…

Die Einsparungen, die durch die Schließung verbunden mit dem dringlichen Austausch besagter Brandschutzklappen entstehen, beziffern sich auf rund 200.000 Euro – ausgerechnet jene Summe, die der Senat von der Kunsthalle an Einsparungen zuvor eingefordert hat. Ein Schelm, wer hier nicht an Zufall glaubt. Es sieht ganz so aus, als wäre die zeitweise Schließung ein übler Vorbote eines schleichenden Niedergangs.

Die FAZ fragt in einem Beitrag zu dem Thema: „Ist das Museum noch zu retten?“. Das art-Magazin titelt „Ein Sündenfall“. Die Zwangsschließung der Galerie der Gegenwart bedeutet jedenfalls nichts Gutes für die Zukunft. Die neue Sparwelle, verursacht  durch Wirtschaftskrise und die Euro-Rettung, wird schon bald heftig über die staatlichen Museen im Land hereinbrechen. Die Hamburger Kunsthalle dürfte nur der Anfang sein.

Dabei ist der Niedergang der Einrichtung eine vertrakte Sache. Die FAZ stellt unter anderem Fehler beim Management fest. Bereits bei der Überführung der Einrichtung in eine Stiftung – ohne ausreichendes Startkapital – seien Fehler gemacht worden, heißt es. Die besseren Ausstellungen würden seitdem in Konkurrenzmuseen in privater Trägerschaft gemacht, etwa im „Bucerius Kunst Forum“. Die Kunsthalle sei daher zu einer „Zweitverwertungsschleuse“ geworden, so das Urteil der FAZ.

Trotzdem ist die zweitweise Zwangsschließung unter offenbar fadenscheinigen Gründen eine harte Attacke gegen die Kunsthalle. Wer nicht mehr mithalten kann, wer zu wenig Besucher anzieht, wer nicht die herausragenden Werke für Ausstellungen heranschafft, der findet sich schnell im Abwärtsstrudel wieder. Das ist das Signal, das gesendet wird.

Nur zum Vergleich: Ein halbes Jahr die  Galerie der Gegenwart zu schließen spart in Hamburg rund 200.000 Euro. Das Prestigeprojekt Elbphilharmonie sollte die Stadt laut Medien urprünglich 77 Millionen Euro kosten. Mittlerweile hat die Hamburger Bürgerschaft einen Kostenanteil von 323,5 Millionen Euro bewilligt. Die Gesamtkosten dürften 500 Millionen Euro übersteigen, da schon jetzt klar ist, dass der geplante Fertigstellungstermin im Mai 2012 offenbar nicht eingehalten werden kann.

An diesem Beispiel sieht man ganz gut, wie verheerend sich im Kulturbereich bereits die Einsparung von verhältnismäßig kleinen Summen auswirkt. Nichts gegen die Elbphilharmonie, aber wenn bei Prestigeprojekten zweistellige Millionenbeträge in fehlerhafte Betonkonstruktionen versenkt werden, dann kommt einem auch das letzte Verständnis für die Kraftanstrengungen beim Einsparen von 200.000 Euro durch die zeitweise Schließung eines Kunstmuseums abhanden.

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