Theater

Bitterer Kampf

Dessau-Roßlau, knapp 90.000 Einwohner, ist derzeit die einzige deutsche Stadt, die gleich zweimal in der Unesco-Welterbeliste vertreten ist – mit dem Bauhaus und dem Wörlitzer Gartenreich. Doch so groß wie der weltweite Ruf sind auch die Finanznöte der Stadt.  Wegen chronisch klammer Kassen ist ein Kahlschlag bei Kultur, Sport und Jugendarbeit praktisch beschlossene Sache. 13,5 Millionen Euro sollen im städtischen Haushalt jährlich eingespart werden. Dies bedeutet unter anderem, dass die Zuschüsse der Stadt für das Anhaltische Theater um die Hälfte gekürzt werden sollen. Seitdem kämpft das traditionsreiche Dessauer Mehrspartenhaus um die nackte Existenz.

Das Theater in Dessau hat bereits etliche Einsparrunden hinter sich. Das Personal hat Abstriche über Haustarifverträge gemacht, wie es in Leserkommentaren zu dem Thema heißt. Intendant Andre Bücker versichert, dass die geplanten Kürzungen ab 2013 die  Schließung bedeuten.  „Ich halte es für einen großen, folgenreichen Fehler, die öffentlichen Haushalte zulasten der Kultur zu sanieren. Kultur bedeutet Lebensqualität, Bildung, gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn das kulturelle Leben einer Stadt stirbt, dann stirbt die Stadt als Gemeinwesen und das Land verödet“, schreibt Bücker im Vorwort zum Spielzeitheft der aktuellen Saison.

Das Bittere an der Geschichte: Das Theater hat in Dessau eine lange Tradition aufzuweisen. Im Herbst 2009 startete bereits die 216. Spielzeit des Mehrspartenhauses. Rund 200.000 Besucher kommen jedes Jahr zu den Inszenierungen, die meisten jedoch laut Märkischer Allgemeinen nicht aus der Stadt, sondern dem Umkreis. Viele Dessauer kennen ihr Theater folglich nicht von innen und sind deshalb wenig geneigt, das Haus gegen Einsparungen zu verteidigen. Eine Umlage des Kreises für das von der Stadt und dem Land Sachsen-Anhalt finanzierte Theater ist aber nur schwer durchzusetzen. Hier muss auch dem Theater der Vorwurf gemacht werden, in den vergangenen Jahren zu wenig getan zu haben, um von den Stadtbewohnern wahrgenommen zu werden.

Von Theatergegnern ist immer wieder der Vorwurf zu hören, es werde für „elitäres Sandkastenspiel“ mit dem Unterhalt von Schauspielhäusern und Opern Geld quasi zum Fenster heraus geschmissen. Man mag über das Programm etlicher Theater trefflich streiten, aber vergessen wird oft: An Theatern arbeiten viele Menschen. (Der weitaus größte Teil der Kosten sind Personalkosten.) In Dessau stehen 350 Mitarbeiter durch das Theater in Lohn und Brot. Damit gehört die Bühne zu den größten Arbeitgebern der Stadt. Das ist eben auch keine Kleinigkeit.

Nun hoffen alle in Dessau, das Land könnte sich stärker beteiligen und der Einrichtung den Status des Staatstheaters verleihen. Eine sehr vage Hoffnung, denn das Land steht ebenfalls hoch in der Kreide. Doch einige Bürger haben nicht aufgegeben. Unter dem Titel „Land braucht Stadt“ haben sie eine Unterschriftenkampagene ins Leben gerufen, die gegen den Kahlschlag bei Freizeit- und Kulturangeboten in Dessau-Roßlau kämpft. Bis jetzt haben sich 14.160 Unterzeichner der Initiative angeschlossen.

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