Theater

Das deutsche Stadttheater versagt bei Kleist

Um einen Vortrag über Kleist vorzubereiten, habe ich mir im Internet mal angeschaut, was die Stadttheater so in Sachen „Penthesilea“ machen. Die Antwort: Sehr wenig. Okay das Stück ist sehr voraussetzungsreich und schwierig. An den wenigen Theatern, an denen in diesem Jahr Inszenierungen stattfinden, lässt die Stückankündigung schon nichts Gutes erahnen. Es scheint ganz so, als seien die Stadttheater beim Thema Kleist überfordert.

Hans-Joachim Ruckhäberle hat sich am Bayerischen Staatsschauspiel an der „Penthesilea“ versucht. Ich habe die Inszenierung leider nicht gesehen, aber der Trailer lässt nichts Gutes erahnen. Klassische Handlungsdramaturgie, Liebesgeschichte etc. So ist Kleist nicht angemessen auf die Bühne zu bringen. Auch das Theater Koblenz hat sich an der „Penthesilea“ versucht. In der Ankündigung zum Stück auf der Internetseite heißt es: „Penthesilea und Achilles finden keinen Weg aus dem Wirrwarr von Begehren, Vernunft und gesellschaftlicher Verpflichtung.“ Hoffentlich hat der Mensch in der Pressestelle oder der Dramaturgie, dem dieser Satz eingefallen ist, damit nicht die Aufführung gemeint. Jedenfalls kein Indiz für eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Stück oder dem Autor.

Ansonsten taucht das Stück auf den Spielplänen nicht häufig auf. (Bitte um Nachricht, wenn ich in dieser Spielzeit eine wesentliche Aufführung übersehen haben sollte!) Bisher ist jedenfalls mein Eindruck: Die Theater wissen nicht, wie sie mit diesem Stoff umgehen sollen.

Möglicherweise bildet das Maxim-Gorki-Theater in dieser Spielzeit eine Ausnahme. Armin Petras lässt dort alle Texte von Kleist aufführen. Eine sehr reizvolle Idee. Die Penthesilea ist damit ebenfalls seit vergangenem Jahr im Programm. Ich konnte die Aufführung bislang noch nicht selbst sehen. Hier gibt es einen Trailer. Der Ankündigungstext – vermutlich aus der Dramaturgieabteilung – lässt allerdings ebenfalls nichts Gutes erahnen. Platte Handlungsbeschreibung des Stücks. Der Trailer mit einzelnen Textpassagen des Stücks unterlegt, ist da aber schon besser gestaltet. Vielleicht also doch ein Lichtblick. Es wäre sehr zu hoffen, denn die Auseinandersetzung mit dem Stück lohnt sich wirklich.

Korea hat Deutschland da etwas voraus, denn die Performance-Gruppe fatzer project mit der Künstlerin Lappiyul Park veranstaltet vom 21. Mai bis 3. Juni ein Symposium zu Kleists „Penthesilea“ in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Beteiligt ist auch das Goethe Institut Seoul sowie die Ewha Womens University sowie die Internationale Heiner Müller Gesellschaft. Die Idee hinter der Veranstaltung: Ein zweiwöchiger Workshop verbunden mit einem Symposium soll Anregungen und Zugänge zum Stück liefern, um eine spätere Inszenierung vorzubereiten. Ich werde an einem der Tage einen Vortrag zum politischen Kleist halten. Mehr Details gibt es hier und hier.

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